28.11.2017

Scheckübergabe Volksback Kassel - Göttingen an die Vorschule der Inneren Mission und Ev. Hilfswerk im Grenzdurchgangslager Friedland e.V.

 

Ein hochwertiges Holzspielgerät für die Vorschule der Inneren Mission Friedland wurde heute feierlich dem Geschäftsführer der Inneren Mission Herrn Pastor Harms übergeben. Peter Mühlhaus von der Volksbank Kassel - Göttingen würdigte die Arbeit der Inneren Mission im Kinder- und Vorschulbereich. Kinder, die lange keine Heimat hatten finden nun endlich in Deutschland einen sicheren Hafen. Die Scheckübergabe in Höhe von 1.500,00 Euro trägt hierzu wesentlich bei. Pastor Harms freut sich über die großzügige Spende und dankt im Namen aller Kinder, die in der Vorschule und dem Kinderhaus der Inneren Mission betreut werden.

10.11.2017

Dienstreise von Thomas Harms Pastor im Grenzdurchgangslager Friedland in den Libanon zwischen dem 1.11. und 8.11. 2017

 

Warum, wieso und weshalb?

Flucht, Migration, Asyl und Vertreibung. Wie werden diese Themenfelder in einem kleinen Land wie dem Libanon behandelt und bewertet? Kann die Sichtweise der

aktuellen Flüchtlingsproblematik in Deutschland angesichts der Situation in einem Anrainerstaat Syriens, dass in Relation zur eigenen Bevölkerungszahl noch einmal 25 % syrische Flüchtlinge aufgenommen hat, einer anderen Betrachtung zugeführt werden?! Ist das Boot Deutschland bereits voll, auch wenn im Mittelmeer als maritimer Friedhof noch immer viele Menschen aus wirklich vollen Booten herausfallen und ertrinken? Und im Libanon, der seit Jahrzehnten hunderttausende Palästinenser beherbergt und seit dem syrischen Bürgerkrieg ab dem Jahr 2011 gut 1.5 Millionen Menschen aufnimmt; wie sieht es hier mit der Behandlung und Betreuung von nicht freiwillig ins Land gekommenen Menschen aus? Wie bewältigt der ungleich ärmere Staat Libanon nach einem verheerenden Bürgerkrieg in den Jahren 1975 – 1990 und einer nach wie vor instabilen innenpolitischen Lage die aktuelle Flüchtlingssituation? Können wir in Deutschland als Kirche, Diakonie und Zivilgesellschaft etwas von einem Land abschauen, dass in der Fläche etwa 2/3 Drittel so groß wie das Bundesland Schleswig-Holstein ist? All dieses und noch viel mehr versuche ich in einer komprimierten Woche zu ventilieren und zu hinterfragen.

Gerade in Beirut eingetroffen nehme ich an einer Podiumsdiskussion zum Thema "almost there" der Heinrich-Böll Stiftung teil. Wie geht das kleine Libanon mit 1.5 Millionen Flüchtlingen im eigenen Land um und wie steht es um die deutsche Befindlichkeit? Im Kulturzentrum Dart al-Nimr laden Schweizer Botschaft und Böll-Stiftung zu einem Panel im Rahmen eines Kurzfilm-Festivals ein. Neben mir sind Karolina Lindholm Billing als Deputy Regional Representative des UNHCR und Ghassan Moukheiber, Member of the Lebanese Parliament and Rapporteur for Human Rights eingeladen. Welche legalen Zugangswege weltweit gibt es und wo sind die Grenzen der Aufnahmekapazität des wirklich kleinen Libanons? 120 Menschen im Auditorium aus unterschiedlichen NGO´s und gesellschaftlichen Gruppen verfolgen die ambitionierte Diskussion.

Ein Besuch bei der Caritas Libanon, die sich mit annähernd 200 Mitarbeitenden der diffizilen Flüchtlingssituation im Land annimmt. In der Bekaa Ebene werden mit Mitarbeiterinnen zwei informelle Zeltlager in der Nähe von Zahle mit syrischen Flüchtlingen nur gut 20 Kilometer von der syrischen Grenze besucht. Die Zustände hier lassen vermeintliche Probleme in der BRD in einem völlig anderen Licht erscheinen. Jedoch: kein Mensch in diesen eher kleineren Lagern (maximal 100 Menschen) hungert. Mit Hilfe von gemeinnützigen Organisationen werden am Nachmittag die Kinder mit Bussen abgeholt und in die umliegenden Schulen zu einer second shift gefahren. Neben einer Grundmiete für die Behausung aus vier Holzbalken, Nägeln und Planen müssen Strom und Trinkwasser an den syrischen landlord über den Vorsteher des camps entrichtet werden. Viele der erwachsenen Bewohner leisten Frondienste auf den umliegenden fruchtbaren Böden der Bekaa-Ebene. Die camps ziehen nach einer Weile der landwirtschaftlichen Arbeit hinterher.

In zwei getrennten Gesprächen mit den Direktorinnen der Heinrich-Böll Stiftung, Dr. Bente Scheller und der Rosa Luxemburg Stiftung, Myriam Younes wurde die schwierige geopolitische Lage und die konfessionell geprägte Historie des Libanon ventiliert. Wie kann dieses Land ob des großen Einflusses seiner Nachbarn existieren, ohne seine Eigenständigkeit aufzugeben?! Gibt es ein komplementäres Verhältnis der Religionen und der Konfessionen oder gar einen erneuten Bürgerkrieg wie in den Jahren 1975 - 1990? Dann die Nachricht: der Ministerpräsident Hariri, ein sunnitischer Moslem taucht in Riad auf und erklärt seinen völlig unerwarteten Rücktritt aus Angst vor einem Attentat im Libanon. Ist er geflohen oder in Geiselhaft seiner saudiarabischen Gewährsleute?

Die christliche Hilfsorganisation Medair aus der Schweiz betreibt medizinische Hilfe in Krisengebieten dieser Welt. Heute besuchte ich zusammen mit Direktor

Libanon, Steffen Horstmeier ein Gesundheitszentrum in der Bekaa Ebene. Hebammen und ärztliches Personal kümmert sich um syrische Flüchtlinge und um einheimische Libanesen. So wird Neid und Missgunst im Keim erstickt. Außerordentlich bemerkenswert! Auch Familienplanung ist ein großes Thema. Gut so. Danach fuhren wir in ein von einer syrischen Frau geleitetes Camp. Hier bekommen alle Behausungen von Medair externe Latrinen und Gutscheine für Wasser. Zudem werden die informellen Zelt -Camps mit GPS Daten versehen. Nur so haben sie eine Art der Adresse und können überhaupt Hilfeleistungen in Anspruch nehmen.

Das Wochenende in Beirut steht ganz im Zeichen des Austausches mit Pfarrer Jonas Weiss-Lange und seiner Frau Dr. Chris Lange. Die 1856 gegründete Evangelische Gemeinde zu Beirut widmet sich neben der seelsorgerlichen Arbeit auch der Flüchtlings- und Sozialarbeit. Nach einem wunderschönen Gottesdienst mit gehaltvoller Predigt diskutieren wir, wie Kirche im Libanon standhält und nicht flüchtet. Der Gemeinderat und die Kirchglieder leben gerne und standhaft im Libanon, auch zu Zeiten des Bürgerkriegs in den Jahren 1975 - 1990

Der Rücktritt des bisherigen Ministerpräsidenten Hariri wird neue Unruhe und eine Stärkung der Hisbollah hervorrufen. Aber die evangelische Gemeinde in Beirut wird weiterhin eng bei den ihnen anvertrauten Menschen bleiben und weiterhin fröhlich das Evangelium leben.

Am Nachmittag dann in Ramlet El Baida, Beirut Empfang bei Karolin Eberle von der UNHCR. Profunde Einblicke in die Arbeit dieser internationalen Flüchtlingsorganisation. Welche Kriterien werden beim resettlement Programm angewandt? Welcher Flüchtling wird wie und wann registriert? Wie ist der legale Zugang in die EU oder in andere Staaten dieser Welt geregelt? Welches ethische Dilemma bleibt, wenn Flüchtlinge auf der Strecke bleiben? Ein differenziertes Gespräch mit einer Mitarbeiterin der UNHCR, die außerordentliche Expertise in diesem Themenfeld mitbringt.

 

Am letzten Tag der hochinformativen Dienstreise stehen Besuche bei der Deutschen Botschaft an. In der Abteilung für ökonomische Entwicklung und humanitäre Angelegenheiten wurde in einem fruchtbaren Gespräch die Zusammenarbeit mit NGO's diskutiert. Allein in 2017 werden vom Auswärtigen Amt 55 Millionen Euro für Schulen und soziale Infrastruktur bereitgestellt. In der Konsular- und Rechtsabteilung stellt ein Mitarbeiter die spezifische Problematik der Erteilung von Visa für Menschen aus dem Libanon und Syrien darf. Wer hat welche Papiere und von wem werden sie warum anerkannt?

Später dann noch ein gutes Interview mit der Leiterin von IOM (International Organisation of Migration). Wie begleitet und rahmt diese assoziierte Einrichtung der UNHCR die Ausreise von Flüchtlingen? Welche Kriterien bei der Familienzusammenführung finden Beachtung? Was erwartet syrische Flüchtlinge an Lebensrealität in der BRD und anderswo? Jeder ausreisefähige bekommt ein gut recherchiertes Handbuch mit auf den Weg, welches die ersten Schritte in einer neuen Heimat plastisch und nachvollziehbar beschreibt.

 

Fazit und Ausblick:

Solange unsere Welt eine unerlöste bleibt, solange der Mensch des Menschen Wolf bleibt, solange werden Flucht und Vertreibung weltweit ein Problem bleiben. Also müssen sich Christenmenschen und alle Menschen guten Willens darüber ins Benehmen setzen, wie weltweite Flüchtlingsströme so kanalisiert werden können, dass niemand auf der Strecke bleibt. Wenn UNHCR, kirchlich-diakonische und andere Einrichtungen hier weiterhin Hand in Hand arbeiten kann zumindest Leid gelindert werden. Die Beseitigung von Fluchtursachen wird aber erst dann gelingen, wenn die Herrschenden vom Thron geworfen worden sind, die ihre und andere Völker darben und hungern und dursten lassen.

03.11.2017

"Sprache aus dem Zaubersack"

 

Die Innere Mission im GDL Friedland organisiert in Kooperation mit dem Zentrum für kindliche Mehrsprachigkeit e.V. am 3./4. November 2017 ein KIKUS Grundseminar in der Vorschule Friedland. Die Fortbildungsinhalte werden von den Referentinnen Dr. Edgardis Garlin, die Begründerin der KIKUS-Methode, und Swetlana Aoul, KIKUS-Kursleiterin in Friedland, durchgeführt.

 

Während des zweitätiges Seminars lernen die Teilnehmer*Innen die Grundlagen und die Grundsätze der KIKUS Methode, den Aufbau einer klar strukturierten Sprachförderstunde, Sprachförderinhalte bzw. Wortschatz, Grammatik, sprachliche Handlungsmuster kennen und die Auswahlkriterien für die Fördermaterialien.

 

Mittels fremdsprachiger Rollenspiele werden die Teilnehmer in die alltägliche Lage der Flüchtlingskinder versetzt. Um dieses Szenario nah an der Realität der Kinder umsetzen zu können, nutzen die Referentinnen die verschiedenen Muttersprachen der Teilnehmer*Innen. Nach einem freundlichen Austausch untereinander und Besichtigung des Kinderhauses, wird spontan ein unentgeltlicher Museumsbesuch von Frau Steinhardt angeboten.

30.10.2017

Pressemitteilung:

"HIER IST EINE GROßE MENSCHLICHKEIT SPÜRBAR"

 

Landesbischof Ralf Meister besuchte die Innere Mission des Grenzdurchgangslagers Friedland

Das Tor zur Freiheit: Ein Ort der Hoffnung, des Schutzes und ein Sinnbild, neuen Mut zu schöpfen – dafür steht das Grenzdurchgangslager Friedland seit jeher. Über diesen kleinen Ort in Südniedersachsen kamen seit 1945 mehr als vier Millionen Menschen nach Deutschland. Eine wichtige Rolle spielen dabei seit Beginn die kirchliche Seelsorge und angewandte diakonische Hilfe. Über die Schwerpunkte in der Arbeit der Inneren Mission und des Evangelischen Hilfswerks informierte sich Landesbischof Ralf Meister im Gespräch und bei einem Rundgang mit Pastor Thomas Harms. Das Lager Friedland bei Göttingen war Anlaufstelle für Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg, für entlassene Kriegsgefangene, für Aussiedler und Zufluchtsuchende aus vielen Teilen der Welt. Heute ist es Erstaufnahmeeinrichtung für Spätaussiedler, jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, für Asylsuchende und Resettlement-Flüchtlinge. „Sie und ihre Mitarbeiter leisten hier eine tolle Arbeit“, stellte der Landesbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers schnell fest. „Durch die Mitarbeiterinnen wird eine besondere Atmosphäre der Ruhe und Gemeinschaft vermittelt: Hier ist eine große Menschlichkeit spürbar.“

Praktische Hilfe

Seit einem Jahr ist der Göttinger Thomas Harms als Seelsorger für das gesamte Grenzdurchgangslager in Friedland zuständig und zugleich Geschäftsführer der Inneren Mission, eine diakonische Einrichtung der evangelischen Kirche. Thomas Harms kümmert sich zusammen mit 20 weiteren Mitarbeitern der Inneren Mission um die ankommenden Menschen. Zusammen mit Diakon Shahinian heißt er die Neuen, die häufig nur wenige Wochen bleiben und anschließend auf Kommunen in ganz Deutschland verteilt werden, in Friedland willkommen, vermittelt Orientierung, feiert Gottesdienste und begleitet die Menschen im seelsorgerischen Einzel- und Gruppengespräch. Daneben bietet die evangelische Kirche auch praktische Hilfe für die Geflüchteten an.

 

"Die Kinder sollen Kinder sein und bleiben"

Einige dieser vielfältigen Angebote wurden bei dem Rundgang besucht: Gleiche Chancen für die Menschen unterschiedlicher Herkunft bietet die Kleiderkammer, die vor allem Kindern und Jugendlichen Rucksäcke und Schultaschen aushändigt. Das Frauenzentrum der Caritas und der Inneren Mission mit Nähstube und Spielzimmer bietet geflohenen Frauen einen besonderen Lern- und Schutzraum. Männer haben hier keinen Zutritt.

Auch im Kinderhaus und in der Vorschule sind meistens die Mütter mit ihren Schützlingen anzutreffen. Im fröhlichen Gewusel spielen Kinder mit ganz unterschiedlichen Muttersprachen wie Russisch und Arabisch friedlich zusammen. Tafelbilder erklären spielerisch die ersten deutschen Vokabeln. Thomas Harms berichtet in den hellen Räumlichkeiten über die Herausforderungen, die Kinder jeweils nur eine kurze Zeit zu betreuen, bevor der Umzug ihrer Familien an einen neuen Wohnort in Deutschland erfolgt. „Die Kinder sollen Kinder sein und bleiben – gerade hier im Lager Friedland. Deshalb gibt es Angebote für jede Altersgruppe, um den Kindern für den meist kurzen Aufenthalt Ruhe, Frieden, Freude und die ersten deutsche Worte zu vermittelt“, erklärt Pastor Thomas Harms, bevor es weiter zum Kindersprachraum und in das von einer Irakerin entwickelte Sprachlabor geht.

"Es gehört zum Urauftrag der Kirche, sich den Menschen helfend an die Seite zu stellen."

Dieses dient den Geflüchteten als Hilfe zur Selbsthilfe, spielerisch Deutsch zu lernen. „Hören, sprechen, lesen, schreiben – alle Lernmethoden werden hier vermittelt“, verdeutlicht die Ingenieurin Bushna Karim, die vor 16 Jahren als Flüchtling ohne Deutschkenntnisse in die Bundesrepublik kam und sich die Sprache selbst beibrachte. Die Kirche mit ihrer Diakonie ist hier direkt vor Ort, inmitten der Menschen im Lager Friedland“, stellte Pastor Harms heraus. Der Landesbischof pflichtete ihm bei: „Wir dürfen das Engagement für Menschen in Not nicht als temporären Aspekt betrachten. Es gehört zum Urauftrag der Kirche, sich den Menschen helfend an die Seite zu stellen.“ Sichtlich Freude habe ihm die Begegnung mit den Kindern bereitet. „Hinsichtlich der Sprachkurse und des Angebotes wird an alle gedacht: Hier wird eine sehr gute Arbeit mit Nähe zu den Menschen geleistet.“ (Text u. Bilder: Mareike Spillner, Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers)

26.09.2017

 „Wege ins Studium für Migrantinnen und Migranten“

 

Mit dieser Informationsveranstaltung beteiligte sich die Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule am 26.09.2017 an der Interkulturellen Woche in

Göttingen.

In einer netten Runde im Migrationszentrum trafen sich Ehren- und Hauptamtliche und viele interessierte Flüchtlinge. Es konnte erläutert werden, wie das Ziel „Studium in Deutschland“ zu erreichen (und zu finanzieren) ist und wie die Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule dabei unterstützen kann.

21.06.2017

Pressemitteilung des Sprengels Hildesheim-Göttingen:

 

Landessuperintendent Eckhard Gorka besuchte Thomas Harms, seit Oktober letzten Jahres neuer Lagerpfarrer im Lager Friedland

 

Friedland/Kr. Göttingen. Für viele Menschen ist es ein fester Begriff: das Lager Friedland. Seit seiner Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg ist das Grenzdurchgangslager Hoffnungsort. Die Menschen, die dort ankamen und ankommen, hatten und haben Schlimmes erlebt. Wenn auch die Gründe für eine Flucht in die Bundesrepublik sich verändert haben, so ist doch die Gewissheit geblieben, in diesem südniedersächsischen Dorf endlich an einem sicheren, freien und friedlichen Ort zu sein.

Wichtig für den mit-menschlichen Umgang im Grenzdurchgangslager ist dabei seit Beginn die kirchliche Seelsorge und angewandte diakonische Hilfe. Die evangelische Innere Mission und das Evangelische Hilfswerk e.V. leisten dabei neben Gottesdiensten und Gesprächsangeboten auch vielfältige, ganz praktische Unterstützung. Seit Oktober letzten Jahres ist der aus Göttingen stammende Thomas Harms Lagerpfarrer vor Ort. Ihn besuchte nun Eckhard Gorka, Landessuperintendent des Sprengels Hildesheim-Göttingen. Gorka, als leitender Geistlicher des südlichsten Sprengels der hannoverschen Landeskirche auch zuständig für den Kirchenkreis Göttingen, verschaffte sich bei seinem Besuch auch einen Eindruck über die Arbeit der evangelischen Kirche im Lager Friedland insgesamt.

Besonders eindrücklich der Besuch im Kinderhaus und in der Vorschule. Im fröhlichen Gewusel balgen sich Kinder aus ganz verschiedenen Ländern. Mit so unterschiedlichen Muttersprachen wie Russisch und Arabisch. Tafelbilder erklären spielerisch die ersten deutschen Vokabeln. Thomas Harms berichtet in den hellen Räumlichkeiten über die Herausforderungen, die Kinder jeweils nur eine kurze Zeit zu betreuen, bevor dann der Umzug ihrer Familien an einen neuen Wohnort in Deutschland erfolgt. Das erfordere immer wieder neue Flexibilität und großes Einfühlungsvermögen von seinen Mitarbeitenden. Gleichzeitig mache es ihn stolz, dass in Friedland wirklich ein Angebot für Kinder aller Altersgruppen durch die Diakonie vorhanden sei, so der Lagerpfarrer. Das sei sehr wichtig auch für die Mütter der Kinder. Zum einen wüssten sie hier ihren Nachwuchs wirklich in Geborgenheit. Oftmals zum ersten Mal ohne die Gefahr von Übergriffen auf Leib und Leben der Kinder und ohne Bedrohung von Kriegsgewalt. Daneben bräuchten die Frauen selbst Zeit zum Erwerb der deutschen Sprache und für ein Ankommen auch psychisch. Erst das mache das Einleben in Deutschland möglich.

 

Dass es gelingt, mit dem Können und dem Wissen der nach Deutschland Geflüchteten professionelle Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten, erlebte Landessuperintendent Gorka dann durch das von einer Irakerin entwickelte Sprachlabor in den Räumlichkeiten der Diakonie. In diesem kleinen Lernzentrum werden computergestützte Kurse für Deutsch als Fremdsprache angeboten. Frau Ingenieurin Karim stellte Gorka die von ihr weiterentwickelten und neukonzipierten Lernmethoden vor. Sie berichtete dabei auch über die notwendigen Differenzierungen zwischen denen, die ohne Lese- und Schreibfähigkeiten seien und denen, die eine Schulbildung mitbrächten. Jene müssten mit dem lateinischen Alphabet und in der neuen deutschen Sprache Schriftlichkeit erst überhaupt erwerben. Demgegenüber brächten die Menschen mit Bildungsabschlüssen, vor allem die mit akademischer Ausbildung, alle Fähigkeiten zu schnellem Selbstlernen und raschen Lernfortschritten mit.

 

Während des anschließenden Besuchs im Frauenzentrum, einem gemeinsamen Projekt von katholischer Caritas und evangelischer Diakonie, unterstrich Pastor Harms die Wichtigkeit, Themen des Alltags, Grundkenntnisse der deutschen Sprache und eine erste Orientierung in der neuen Gesellschaft an die Geflüchteten zu vermitteln. Besondere Bedeutung besitze dabei die Asylverfahrensberatung durch die Diakonie. Erst durch sie seien die Menschen und ihre Familienangehörigen in der Lage, sich über die Rahmenbedingungen und die einzelnen Schritte ihres Asylvorgangs zu informieren. Diese Unterstützung ermögliche den Asylbewerbern, das Vorgehen der Behörden und die bürokratischen Entscheidungswege zu verstehen. Oftmals stünden Scham über die im Herkunftsland und auf der Flucht erlittene Gewalt und Angst vor einer möglichen Verfolgung von Angehörigen in der Heimat als großes Hemmnis vor den Menschen. Es sei verständlich, dass sie nur ungern über ihre Erfahrungen berichteten, zumal wenn es um Vergewaltigungen oder um erlittene Folterungen gehe. Gleichwohl seien diese Angaben im Asylverfahren notwendig, so Harms.

 

Im Resümee in den Büroräumen der Diakonie, die, wie die evangelische Kirche auch, in einer alten Baracke liegen, zeigten sich die beiden Geistlichen sehr zufrieden darüber, dass das evangelische Lagerpfarramt nunmehr mit einer vollen Stelle ausgestattet ist. Für Thomas Harms, der Theologe und Pädagoge ist, bringt die Arbeit berufliche Erfüllung mit sich. Die Freude, Kennen und Können vielgestaltig einsetzten, ist dem 51-Jährigen anzumerken. Neben der seelsorgerlichen Arbeit ist er als Geschäftsführer der Inneren Mission/Evangelisches Hilfswerk für die 18 Mitarbeitenden in den unterschiedlichen Projekten verantwortlich. Zudem vertritt Harms die Themenkomplexe Flucht, Vertreibung, Aussiedlung, Migration und Asyl gegenüber der Landeskirche und dem Diakonischen Werk. Vor seiner Tätigkeit in Friedland war der Harms Gefängnis- und Diakoniepastor, er kennt aber auch die Arbeit als Gemeindepfarrer in der Stadt und auf dem Land.

 

„Im Namen des Sprengels und der ganzen hannoverschen Landeskirche möchte ich Ihnen und allen Ihren Mitarbeitenden herzlich Danke sagen für Ihre wichtige und vorbildliche Arbeit hier im Lager Friedland“, so Landessuperintendent Eckhard Gorka in seinen Abschiedsworten an den Amtsbruder.

29.05.2017

Pressemitteilung

 

Ein Boot der Hoffnung EDG Kiel-Stiftung fördert mit 6.000 Euro ein Flüchtlingskinderprojekt der Inneren Mission im Grenzdurchgangslager Friedland e.V.

 

Kiel/Friedland, 29. Mai 2017: Die Neugestaltung des Außengeländes im Grenzdurch-gangslager Friedland konnte dank einer Förderung durch die EDG Kiel-Stiftung der Evangelischen Bank umgesetzt werden. Bei einer Spendenübergabe an Lagerpastor Thomas Harms sagte Thomas Kyrath, Regionaldirektor Hannover der Evangelischen Bank: „Im sicheren Friedland geben Sie den zugewanderten Kindern ein neues Zuhause. Der EDG Kiel-Stiftung ist es ein besonderes Anliegen, unsere Wertschätzung für Ihren Arbeitseinsatz zum Ausdruck zu bringen. Zudem sind wir als nachhaltige Kirchenbank in der Verantwortung, uns für das Gemeinwohl einzubringen.“ 

Mit der Finanzierung des Holzboots im Außengelände des Grenzdurchgangslagers trägt die Stiftung der Evangelischen Bank dazu bei, dass die Kinder ihren Bewegungs- und Erlebnisdrang ausleben können. Die Innere Mission betreut dort Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter. Aufgrund einer langjährigen Flucht- und Vertreibungserfahrung sind die Kinder häufig traumatisiert. In Friedland werden sie von erfahrenen Erzieherinnen betreut. In einem neugestalteten Außengelände und dank des pädagogisch ansprechenden Spielgeräts können die Kinder neue Erfahrungen machen. Denn einige Kinder haben mit einem Boot bisher nur negative Erinnerungen an ihre Flucht verknüpfen können. Das Boot der Hoffnung lädt sie zum Spielen ein, bei dem Sie Positives erleben können. Eine Selbstverständlichkeit, dass beim Holzboot auf Qualität geachtet wurde: Die Almhütte Naturholz-Manufaktur GmbH hat das Boot extra für die Innere Mission Friedland angefertigt. Die 6.000 Euro aus der Stiftungsförderung wurden damit gut investiert.

 

Soziales Engagement auf allen Ebenen

 

Die Innere Mission Friedland engagiert sich auf allen Ebenen: Erwachsene Einwanderer werden beim Asylverfahren unterstützt, Dolmetscher erleichtern die Verständigung. Das Frauenzentrum bietet eine geschützte Begegnungsstätte, in Einkleidekammern erhalten die Zugewanderten qualitativ hochwertige Textilien, der Pfarramtliche Dienst vermittelt Orientierung und bietet Gottesdienste an, die Bildungsberatung hält Informationen zu Sprachkursen und Seminaren bereit. Das Kinderhaus bildet einen Schwerpunkt der Arbeit: Mit einer intensiven Förderung erlernen die Kinder hier die deutsche Sprache. Neben dem Kinderhaus für Jungen und Mädchen bis acht Jahren gibt es auch eine Hortschule für Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren. So werden täglich insgesamt rund 40 Kinder bei der Inneren Mission Friedland betreut.

 

Partnerschaftlich verbunden

 

„Mit der Evangelischen Bank pflegen wir seit Jahren eine partnerschaftliche Zusammenarbeit“, so Thomas Harms. Denn das nachhaltige Geschäftsmodell der Evangelischen Bank spiegelt sich nicht nur im ökonomischen, sondern auch im ökologischen und im sozial-ethischen Handeln wider. So ist der Kirchenbank beispielsweise die langjährige Zusammenarbeit mit ihren Kunden wichtig. Darüber hinaus engagiert sich das Finanzinstitut für soziale und ethische wertvolle Projekte im Rahmen ihres Stiftungsmanagements.

 

Die EDG Kiel-Stiftung

 

Die EDG Kiel-Stiftung, von der damaligen Evangelischen Darlehnsgenossenschaft 1997 gegründet, hat sich zum Ziel gesetzt, insbesondere Investitionen im kirchlichen Bereich sowie der Diakonie/Caritas und der sonstigen Freien Wohlfahrtspflege zu fördern, soweit dort anderweitige Möglichkeiten bereits ausgeschöpft sind. Durch diese Unterstützung hat die Stiftung in den vergangenen Jahren zur Realisierung zahlreicher Projekte beigetragen.

 

Die Evangelische Bank eG

 

Die Evangelische Bank eG ist ein genossenschaftlich organisiertes, nachhaltiges Kreditinstitut. Als moderner Finanzdienstleister bietet sie Spezial-Know-how und umfassende Finanzlösungen für den kirchlich-diakonischen und sozialen Bereich. Mit einer Bilanzsumme von 7,1 Mrd. Euro ist die Evangelische Bank eG die größte Kirchenbank und zählt zu den zehn größten Genossenschaftsinstituten in Deutschland. Als nachhaltig führende Kirchenbank Deutschlands ist die Evangelische Bank eG ein spezialisierter Finanzpartner der Kirchen, Diakonie, Caritas, Freien Wohlfahrtspflege und der Sozialwirtschaft sowie aller privaten Kunden mit christlicher Werteorientierung. Mehr als 480 Mitarbeiter betreuen bundesweit etwa 19.000 institutionelle Kunden und ca. 72.000 private Kunden an 14 Standorten.

 

Ihre Ansprechpartnerin:

 

Anna Marit Herrmann

Evangelische Bank eG

Vorstandsstab / Öffentlichkeitsarbeit

Seidlerstraße 6, 34117 Kassel

Tel. 0561 7887-1322, Fax -4651

E-Mail: anna-marit.herrmann@eb.de

Internet: www.eb.de

21.5.2017

Göttinger Kulturenmesse

 

Die Innere Mission hat sich in diesem Jahr mit einem eigenen Stand bei der Göttinger Kulturenmesse präsentiert. Das Interesse war bei schönstem Sommerwetter groß - zahlreiche Menschen wollten sich über die Aufgaben der Inneren Mission informieren. Die MitarbeiterInnen konnten durch Gespräche und das Verteilen von Infoflyern viele Fragen beantworten und neue Kontakte knüpfen.