1945 – Hilfe und Betreuung an "Leib und Seele"

Die Innere Mission im Grenzdurchgangslager Friedland e.V. wurde im September 1945 gegründet. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Grenzdurchgangslager für Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten und dem Sudetenland genutzt. Das Lager wurde von der britischen Besatzungsmacht auf dem Gelände der nach Friedland ausgelagerten landwirtschaftlichen Versuchsanstalt der Universität Göttingen errichtet. Ihre Aufgabe war die Hilfe und Betreuung an "Leib und Seele" (Kleidung, Essen, Beratung, Seelsorge) – die soziale Betreuung und der seelsorgerliche Beistand. Als erste Behelfsunterkünfte dienten ihnen Schweine- und Pferdeställe auf dem leer stehenden Versuchsgut der Universität Göttingen. Dann stellte man Armeezelte auf, errichtete Holzbauten und Wellblechbaracken. Das Rote Kreuz und die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die evangelische Innere Mission und der katholische Caritas-Verband richteten bis 1948 Büros und Kleiderkammern im Lager ein.

 

Am 16. Januar 1949 wurde die schlichte evangelische Lagerkapelle eingeweiht. Was damals ein kurzes Provisorium sein sollte, wird heute noch für Andachten und Gottesdienste verschiedener christlicher Religionsgemeinschaften genutzt. Am 1. Advent 1949 wurde die Friedlandglocke geweiht. Sie erinnert durch ihr Geläut an die über vier Millionen in Friedland angekommenen Flüchtlinge und Spätaussiedler aus den verschiedensten Ländern. Sie wurde zum Symbol für ein Leben in Freiheit.

 

Später wurde das Lager als Übergangslager für Übersiedler aus der DDR genutzt, heute vor allem als Aufnahmelager für Spätaussiedler. Seit Oktober 2002 (nach anderen Angaben seit 2001 bzw. 2000) ist das Lager Friedland die einzige Erstaufnahmeeinrichtung für Spätaussiedler in Deutschland.

Foto: Evangelische Lagerkapelle